7. März 2016
Kompetenz im Naturschutz / Erneuerbare bevorzugt

Zum Bericht Landtagswahl am 13. März, Kompetenz im Naturschutz / Erneuerbare bevorzugt (Samstag, 27. 02.2016)

Werden die Grünen ihrem alten Anspruch, im Naturschutz kompetent zu sein, noch gerecht?
Die Grünen befinden sich in einem Dilemma. Seitdem sie sich dem Ausbau der erneuerbaren Energien um jeden Preis verschrieben haben, ist die behauptete Kompetenz im Naturschutz nur noch ein Lippenbekenntnis.
Denn u.a. die Förderung von Windkraftanlagen auch in den windschwachen Gebieten des Nordschwarzwaldes lässt sich mit dem Schutz von Umwelt und Natur nicht vereinbaren.
Zur Erinnerung: Der Anteil für die Stromerzeugung beträgt in Deutschland rund ein Fünftel des Gesamtenergieverbrauchs. Davon werden heute 2,1 % von 26 000 Windkraftanlagen geliefert. Die Stromeinspeise-Diagramme belegen, dass zeitweise bundesweit Windstille herrscht und in solchen Phasen über Deutschland verteilt kein Strom erzeugt werden kann. Trotz der vorrangigen Stromeinspeisung von Windkraftanlagen in Deutschland
– ist der CO2-Ausstoß nur marginal gesunken,
– kann kein konventionelles Kraftwerk abgeschaltet werden, solange es keine bezahlbaren Energiespeicher gibt,
– könnte bei Nutzung der gesamten deutschen Stromerzeugung aus Windkraft, schwankend von 0 bis 27000 MW, in Baden-Württemberg kein einziges konventionelles Kraftwerk abgeschaltet werden,
– wird es mit jeder weiteren Windkraftanlage schwieriger, die Einspeiseschwankungen von Sonne und Wind mit konventionellen Anlagen auszugleichen. Bei der kleinsten Regelpanne besteht die Gefahr eines großflächigen Netzzusammenbruchs.
Werden die Grünen die aktuellen Daten und Fakten beachten und die erforderlichen Konsequenzen ziehen?
Die Rückkehr zur Atomenergie ist keine Lösung, aber die Probleme des Ausbaus der Erneuerbaren Energien, insbesondere der Windkraft, offen anzusprechen und für das Ringen um Naturschutz versus den Flächenbedarf der Windkraftanlagen in unserem dichtbesiedelten Land ein offenes Ohr zu haben, das stünde den Grünen gut an. Es ist bitter, dass diese Partei von Dritten an ihre früheren Kernthemen wie die Verhinderung der Dezimierung streng geschützter Vogelarten, der Gefährdung von Trinkwasserquellen und von Hochwassergefahr durch riesige Bodenverdichtungen und Abholzungen erinnert werden muss.
Mit Sicht auf den Klimawandel geht es uns allen um eine wirkungsvolle CO2 -Reduzierung. Diese ist vor allem durch weitere Effizienzsteigerungen im gesamten Industrie-, Heizungs- und Transportbereich mit fast 80 % des Energiebedarfs von Deutschland zu erreichen.
Die Lebensräume für den Menschen mit Flora und Fauna zu schützen, steht nicht in Widerspruch zu dem Ziel der CO₂ Reduzierung. Beides kann mit Vernunft erreicht werden. Der Bergrücken über Malsch und Ettlingen, diese einmalige Wald- und Kulturlandschaft mit dem Lebensraum für Mensch und Tierwelt, darf nicht einer konzeptionslosen Energiewende zum Opfer fallen.

Eduard Angele, Malsch/Sulzbach

„Leider wurde dieser Leserbrief von der BNN nicht veröffentlicht, da es kurz vor der Landtagswahl zu viele seien“