29. August 2017
Die Südpfalz nutzt die Kraft des Windes

Fünf neue Anlagen bei Herxheim / Im Raum Karlsruhe kein Projekt vor Baubeginn

Bedarfsdeckung für 8 600 Einfamilienhäuser

Von unserem Redaktionsmitglied Matthias Kuld
Herxheim/Waghäusel/Karlsruhe. In der Südpfalz kommt die Energiewende schneller voran als auf der gegenüberliegenden Rheinseite am Mittleren Oberrhein – zumindest, was die Aufstellung von Windkraftanlagen betrifft. Auf den leichten Erhebungen entlang der Landesstraße 542 sind dort zwei kleinere Parks entstanden. Der eine ist schon vor einigen Jahren begonnen worden und findet sich zwischen Herxheim und Offenbach. Jetzt ist auch das Projekt etwas südlicher zwischen Herxheim und Hatzenbühl abgeschlossen. Fünf Jahre hat es gedauert, bis die Idee mit den Stadtwerken Speyer umgesetzt wurde. Fast 30 Millionen Euro, so eine Pressemitteilung, sind in fünf Anlagen mit einer jährlichen Stromernte von 30 Millionen Kilowattstunden investiert worden, die künftig 17 000 Tonnen CO2 einsparen helfen. Unlängst wurde der Windpark offiziell in Betrieb genommen.

Mehr als 200 Verträge mit Grundstückseigentümern mussten geschlossen, zahlreiche behördliche Hürden genommen und langer Atem bewiesen werden. Beim offiziellen Startschuss verwies der Erste Beigeordnete der Gemeinde Hatzenbühl, Paul Rohatyn, darauf, dass 12,3 Prozent des Stroms in Deutschland bereits mit Windenergie erzeugt werden. „Unser Windpark deckt mehr als den Bedarf unserer Haushalte ab“, hob er hervor. 8 600 Einfamilienhäuser könnten mit der jährlich eingespeisten Strommenge versorgt werden und das – so Rohatyn – „sauber, umweltschonend, wirtschaftlich und ungefährlich“. Für Uwe Schwind, Verbandsbürgermeister von Jockgrim, war der Windpark das komplexeste Verwaltungsverfahren seiner 16-jährigen Amtszeit. „Das Ergebnis lässt sich sehen und hat alle Mühe gelohnt“, stellte er fest und äußerte sich erfreut, als Kommune einen „klitzekleinen Beitrag“ zur Energiewende beitragen zu können.

Lutz Gubernator, Geschäftsführer der WEAG Future Energies AG, unterstrich: „Das Projekt war von Anfang an als Bürger-Windpark konzipiert.“ Auszahlen werde es sich unter anderem über eine Laufzeit von über 20 Jahren in einer Grundstückspacht von etwa 6,3 Millionen Euro, die – zum Großteil an Hatzenbühl – bezahlt werden. Hinzu komme die Gewerbesteuer über 1,4 Millionen Euro. „Es sieht alles danach aus“, so Gubernator, „dass sich der wirtschaft-liche Erfolg einstellt.“ Fast drei Millionen Kilowattstunden seien seit Januar in den fünf 206 Meter hohen Anlagen erzeugt worden, heißt es weiter. Rund 500 Bürger hätten vom Sparbrief der Volksbank Kur- und Rheinpfalz profitiert, der bei einem Zeichnungsvolumen von drei Millionen Euro rasch vergriffen gewesen sei. Insgesamt seien in der Region in den vergangenen 15 Jahren 39 Anlagen entstanden.

Auf der badischen Rheinseite ist der Bau von Windkraftanlagen noch nicht so weit. Zwar hat der Regionalverband vor wenigen Wochen die Liste der Vorranggebiete beschlossen, wonach 50 Anlagen entstehen könnten, doch ist beispielsweise im Landkreis Karlsruhe nicht erkennbar, wo alsbald ein Windrad gebaut werden würde. In Waghäusel bestätigt Oberbürgermeister Walter Heiler zwar, dass es Gespräche gab – brandaktuell sei die Sache im Nordwesten des Kreises aber nicht. Am „reifsten“ seien die Windkraftüberlegungen im Kreis Rstatt in Gernsbach, so Regionalverbandsdirektor Gerd Hager.

Warum aber geht in der Pfalz, was in Baden nicht so läuft? Gerd Hager sagt, dass zunächst einmal die Windverhältnisse links und rechts des Rheines nicht ganz identisch seien. „Aber in beiden Fällen handelt es sich um windschwache Standorte“, macht er deutlich. Hager sieht einen Grund für die relativ gesehen große Anzahl von Windparks in der Südpfalz in der „dort höheren Akzeptanz“. Mit der ist es im Raum Straubenhardt, Neuenbürg, Dobel, Bad Herrenalb nicht ganz soweit her – zwischen den vier Gemeinden wird nach den entsprechenden Genehmigungen ein Windpark schon baulich vorbereitet, aber die Zustimmung ist nicht sehr verbreitet.

Internet
windpark-hatzenbühl.de

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Badische Neueste Nachrichten | Ettlingen | AUS DER REGION | 29.08.2017

Mit freundlicher Genehmigung der BNN